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| Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen |
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Gesetze zur Inklusion müssen konsequent umgesetzt werden
Rom, Paris, Bielefeld ─ in ganz Europa gingen traditionell am 5. Mai die Menschen auf die Straße, um zu protestieren: für die
Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, gegen Ausgrenzung, für Inklusion. Den Europäischen Protesttag gibt es seit 1991;
in Bielefeld fand er zum zweiten Mal in dieser Form auf dem Jahnplatz statt. Er wurde von einem Aktionsbündnis bestehend aus der
Stadt Bielefeld sowie mehreren Verbänden und Institutionen organisiert. Mittendrin: Die Lebenshilfe Bielefeld.
Rollstuhlrallye
Der Jahnplatz bot bei strahlendem Sonnenschein ein buntes Bild. Die elf Veranstalter informierten über ihr Unterstützungsangebot
für Menschen mit Behinderung. Sie forderten die konsequente Umsetzung der bestehenden Gesetze mit dem Ziel von mehr Teilhabe und
Gleichstellung. Mit phantasievollen Aktionen wie zum Beispiel einer Rollstuhlrallye mit Prominenten quer durch die Stadt (darunter
der Bielefelder SPD-Landtagsabgeordnete Günter Garbrecht) veranschaulichten sie die Probleme, mit denen Menschen mit Behinderung
Tag für Tag zu kämpfen haben. Das können nicht nur Treppen oder hohe Bordsteine sein, sondern auch sprachliche oder zwischenmenschliche
Hindernisse.
Werkhausband rockte
Die Lebenshilfe bot an ihrem Stand nicht nur umfassende Information, sondern durch ihr Integrationsunternehmen Catering & mehr
auch Erbsensuppe mit Würstchen sowie leckere Waffeln am Stiel an. Auf der benachbarten Bühne rockte am Nachmittag die achtköpfige
Werkhaus-Band mit ihrem Frontmann Gerrit Mähl und heizte dem Publikum an dem doch recht kühlen Tag ordentlich ein.
Reales „Vollzugsdefizit“
Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen, der die Schirmherrschaft übernommen hatte, stellte in seiner Begrüßung mit Blick auf die
gesetzliche Situation fest: „Es gibt kein Regelungsdefizit. Aber die Realität zeigt, dass wir ein Vollzugsdefizit haben.“ Mit dem
Diskriminierungsverbot im Grundgesetz oder der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen seien wichtige Meilensteine
für die Inklusion gesetzt worden. „Der Protesttag dient als Ermunterung, weiter zu machen. Gleichzeitig soll er diejenigen auf Trab
halten, die noch nicht genug gemacht haben“, so Clausen.
Bielefeld „beispielgebend“
Der Vorsitzende des Behindertenbeirates der Stadt Bielefeld, Wolfgang Baum, machte auf den Symbolcharakter des Jahnplatzes
aufmerksam: „Hier sind wir mittendrin in der Stadt. Das ist auch das Ziel der Inklusion: Die selbstverständliche Teilhabe von
Menschen mit Behinderung in allen gesellschaftlichen Bereichen.“ Schließlich sei dieser Teil der Bevölkerung keine Randgruppe:
In Bielefeld lebten etwa 30 000 Menschen mit Behinderung, so Baum weiter, der selber im Rollstuhl sitzt. Er lobte die Arbeit der
Stadt und der Verbände als beispielgebend: „Wir haben schon viele Barrieren abgebaut, die Menschen mit Handicap daran hindern,
ein normales Leben zu führen.“ Allerdings gebe es noch Nachhol- und Anpassungsbedarf, so zum Beispiel im Bildungssystem. |
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| Tag der offenen Tür bei der Lebenshilfe Wohnstätten GmbH |
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Drei auf einen Streich
Gleich drei Jubiläen auf einmal feierte die Lebenshilfe Wohnstätten GmbH am 7. Mai auf ihrem Gelände Am Möllerstift 22 mit einem Tag der
offenen Tür.
Die Lebenshilfe Bielefeld selbst besteht nunmehr seit 50 Jahren. Sie bietet Menschen mit Behinderung aller Altersstufen eine umfassende
individuelle Förderung, damit sie ein weitgehend normales, selbstständiges Leben inmitten der Gesellschaft führen können.
Vor 40 Jahren richtete die Lebenshilfe in dem ehemaligen Schwesternwohnheim des Krankenhauses Am Möllerstift ihre erste Wohnstätte ein.
Damals lebten dort fünf Menschen mit Behinderung. Die Wohnstätte wurde 1993 von Grund auf renoviert und konnte vor 15 Jahren erneut bezogen
werden.
Am Wochenende geschlossen
Eine der Bewohnerinnen, die vor 40 Jahren in der ersten Wohnstätte lebte, ist Renate Bänsch. Früher, so erzählt die heute 57-Jährige,
habe die Leiterin mit ihrer Familie im selben Haus gewohnt. Über das Wochenende wurde das Wohnheim geschlossen und die Bewohnerinnen
und Bewohner verbrachten Samstag und Sonntag bei ihren Verwandten. In der Woche wurden die einzelnen Etagen abends abgeschlossen. „Die
Situation ist mit heute gar nicht zu vergleichen“, meint Renate Bänsch zurückblickend.
Eigener Schlüssel
Denn die Zeiten haben sich geändert. Menschen mit Behinderung sollen heute ein „normales“ Leben führen können. Die moderne Wohnstätte
Am Möllerstift bietet ein Zuhause für 14 Menschen mit Behinderung, die dort weitgehend selbstständig leben. Sie werden stationär
betreut ─ auch am Wochenende. Fünf Einzel- und fünf Doppelzimmer auf zwei Etagen stehen zur Verfügung, im Erdgeschoss sind die
beiden gemütlichen Gemeinschaftsräume, die Küche und ein Büro untergebracht. Im Vergleich zu damals besitzt heute jeder Bewohner
seinen eigenen Schlüssel.
Mehr Selbstständigkeit
Renate Bänsch wohnt heute in der Petristraße in einem Apartmenthaus. Dort erhält sie Unterstützung im Rahmen des ambulant betreuten
Wohnens, ganz individuell und flexibel. Diese Art der Betreuung bedeutet für sie ein noch größeres Stück Selbstständigkeit. Die
Lebenshilfe Wohnstätten GmbH verfügt über fünf Wohnhäuser mit stationärer Betreuung. Insgesamt leben dort 112 Menschen mit Behinderung.
Am Tag der offenen Tür hatten die Besucher Gelegenheit, die Wohnstätte Am Möllerstift zu besichtigen. Ein buntes Rahmenprogramm mit Musik-Comedy,
Tanzdarbietungen, Zauberei und Dosenwerfen, dazu eine leckere Bratwurst vom Grill, rundete die Feier ab. |
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| Flohmarkt für alle |
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Bei dem großen Familienflohmarkt am 8. Mai auf dem Gelände der Wirbelwind-Kita Am Möllerstift hatten die Besucher die Qual der Wahl.
Spielzeug, wohin das Auge reichte, Kleidung für Babys, Kinder, aber auch für Erwachsene, Bücher und vieles mehr wurde an den etwa 20
Ständen zum Verkauf angeboten. Zwischendurch konnten sich die erschöpften Besucher mit Kaffee und einem Stück selbstgebackenen Kuchen
vom reichhaltigen Büfett stärken.Schon um zehn Uhr morgens gab es den ersten Ansturm auf den Flohmarkt, der seit einigen Jahren zum
ersten Mal wieder von den Eltern mit viel Engagement veranstaltet wurde. |
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| Lebenshilfe feierte |
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Eine ungewöhnliche Picknick-Gesellschaft hatte es sich auf dem Rasen der Wohnstätte Kurze Straße 36b der Lebenshilfe am
Freitag, 28. Mai bequem gemacht. Die Künstlergruppe Articus war Teil eines bunten Programms, mit dem die Lebenshilfe Bielefeld ihr
50-jähriges Bestehen und auch 40 Jahre Wohnbetreuung für Menschen mit Behinderung feierte.Am Tag der offenen Tür gab es nicht nur
Theater, sondern auch Musik, Grillwürstchen, Eisspezialitäten, viele Luftballons und für interessierte Besucher die Gelegenheit,
die Wohnstätte zu besichtigen. 19 Menschen mit Behinderung werden hier seit zwölf Jahren stationär betreut. Die Wohnstätte
Kurze Straße 36b ist eines von fünf Wohnhäusern im Stadtgebiet, in denen die Lebenshilfe Bielefeld 112 Menschen mit Behinderung
ein weitgehend selbstständiges Leben inmitten der Gesellschaft ermöglicht. |
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| Lebenshilfe bietet Berufsvorbereitendes Soziales Jahr |
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Achtung Schulabgänger: Hier gibt’s ein BSJ
Die Sommerferien nahen, die Prüfungen stehen an. Und wenn die Schule endlich geschafft ist ─ was kommt dann? Für viele Bielefelder Schüler
stellt sich bald diese Frage. Die Lebenshilfe Bielefeld hat eine passende Antwort: Sie bietet sechs jungen Menschen zwischen 16 und 25
Jahren mit abgeschlossener Schulausbildung zum 1. August ein Berufsvorbereitendes Soziales Jahr (BSJ) an.
Das BSJ ist ein praxisbezogenes Orientierungsjahr zwischen Schule, Ausbildung und Beruf, das nur von der Lebenshilfe angeboten wird. Es
richtet sich an junge Leute, die in ihrem späteren Beruf Menschen mit Behinderung unterstützen und begleiten möchten. In den fünf Wohnstätten
der Lebenshilfe Bielefeld haben Interessenten die Möglichkeit, erste praktische Erfahrungen unter fachlicher Anleitung zu sammeln.
„Wissen, wie Beruf konkret aussieht“
In den Lebenshilfe-Wohnhäusern werden Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung oder mit psychischen Störungen stationär betreut.
Die Betreuerinnen und Betreuer unterstützen sie dabei, ein weitgehend selbstständiges Leben inmitten der Gesellschaft zu führen. Hilfe im
Tagesablauf, beim Waschen, Essen und Trinken, bei der Begleitung zur Arbeit und in der Freizeit ─ dies alles gehört zu den Aufgaben, die
auch ein BSJ-Praktikant zu erledigen hat. Nach Abschluss des BSJ erhalten die Absolventen ein qualifiziertes Zeugnis.
Eine, die es bald geschafft hat, ist Natalie Erdmann. Nach dem Fachabitur in Enger stand ihr Berufswunsch fest: Heilerziehungspflegerin. Sie
bewarb sich bei der Lebenshilfe Bielefeld um ein BSJ, denn: „Ich wollte wissen, wie dieser Beruf konkret aussieht.“ Nach einem Tag Hospitation
war beiden Seiten klar: Die Zusammenarbeit geht weiter. Unter qualifizierter Anleitung der Fachkräfte lernte Natalie Erdmann in der Wohnstätte
Kurze Straße 36b wie es ist, sich täglich um Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung zu kümmern.
Vertrauen gewinnen
„Die Betreuung durch die Fachkräfte war sehr gut und ich lernte alle Bereiche umfassend kennen“, meint Natalie Erdmann rückblickend. Schon
nach einem Monat wurde sie in den Dienstplan aufgenommen und durfte verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen. Eine Herausforderung am Anfang
war für sie, das Vertrauen der behinderten Bewohner zu gewinnen. „Bei einigen hat es etwas länger gedauert, aber als ich es dann geschafft
hatte, war das ein gutes Gefühl.“
Ein gutes Gefühl hat man auch bei der Lebenshilfe: “Bei Natalie merkt man einfach, dass es passt. Sie arbeitet selbstständig, ist interessiert
und engagiert“, erklärt Siegrun Becker, Personalleiterin bei der Lebenshilfe Bielefeld. Sogar Gebärdensprache hat die junge Frau gelernt.
Engagement, Freude an der Arbeit und am Kontakt mit Behinderten sowie die Bereitschaft, sich auf Menschen mit Behinderungen einzulassen,
sind wichtige Voraussetzungen für junge Menschen, die sich für ein BSJ bei der Lebenshilfe interessieren.
Nächster Schritt: Ausbildung
Am 1. August wird Natalie Erdmann den nächsten Schritt auf dem Weg zu ihrem Wunschberuf machen. Dann beginnt sie eine dreijährige
berufsbegleitende Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin in Bielefeld. Den praktischen Teil absolviert sie dann ebenfalls bei der
Lebenshilfe, nur wenige Schritte von ihrem jetzigen Einsatzort entfernt, in der Kurzen Straße 36a.
Wer sich für ein BSJ bei der Lebenshilfe Bielefeld interessiert, wendet sich bitte an:
Lebenshilfe Bielefeld
Siegrun Becker
Personalleiterin
Tel. 0521-44 708 313
personal@lebenshilfe-bielefeld.de
info@lebenshilfe-bielefeld.de
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| Politiker trafen sich zur Ortsbesichtigung Am Möllerstift |
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Auch CDU und BfB sehen Notwendigkeit, Förderschule umzubauen
Nach der SPD besichtigten auch Mitglieder der Bielefelder CDU und der Bürgergemeinschaft für Bielefeld (BfB) nacheinander die Förderschule
Am Möllerstift. Die Politiker wollten sich ein Bild von der Notwendigkeit eines Umbaus verschaffen. Übereinstimmendes Fazit: Hier muss
dringend etwas unternommen werden.
„Man kann nicht gegen den Umbau sein“, meinte BfB-Ratsfraktionsvorsitzender Ralf Schulze.
Darin war er sich mit seinen Parteikolleginnen und -kollegen Dorothea Becker (BfB-Fraktionsgeschäftsführerin), Horst Breipohl (Mitglied
der Bezirksvertretung), Christiane Cascante (sachkundige Bürgerin im Sozialausschuss) und Gerd-Peter Grün (Mitglied Ratsfraktion) einig.
„Können nichts versprechen“
Auch bei der Bielefelder CDU war der politische Wille zur Unterstützung da: „Hier herrscht Handlungsbedarf“, meinte Andreas Rüther,
Vorsitzender des Schulausschusses. Er besichtigte zusammen mit Petra Brinkmann und Alexandra Heckeroth (beide Mitglieder im Schulausschuss)
die Förderschule. Allerdings ─ und da waren sich wiederum alle einig ─ könne man angesichts der klammen Haushaltslage der Stadt nichts
versprechen.
Schulleiter Reinhard Kerlin verdeutlichte die Dringlichkeit des Umbaus, indem er auf das unzureichende Brandschutzkonzept hinwies. Zusätzlich
wies er darauf hin, dass die private Förderschule die Stadt entlastet, weil sie ausschließlich Bielefelder Schüler mit geistiger Behinderung
unterrichtet und der Stadt damit von einer Pflichtaufgabe entlastet. „Wir können den Umbau nicht alleine finanzieren. Deshalb bitten wir Sie
um Ihre Unterstützung“, meinte er an die Politiker gewandt.
Schülerzahlen weiterhin stabil
Der schulische Betrieb soll nach dem Umbau mindestens für die nächsten 20 Jahre gesichert sein, so Kerlin weiter. Der Umzug der
Berufsbildungsstufe in die neue Schule Am Niedermühlenhof Ende dieses Jahres werde den Standort Am Möllerstift zunächst etwas entlasten,
aber: „Es ist abzusehen, dass die Zahl der Schüler mit Förderbedarf bei der geistigen Entwicklung in Zukunft nicht abnehmen wird.“
Die Kosten für den Umbau, für den bereits ein Entwurf vorliegt, betragen gut eine Million Euro. Ein Teil der Summe könnte das Land NRW
übernehmen. Denkbar wäre auch ein zinsgünstiges Darlehen der Stadt Bielefeld.
Größere Klassenzimmer, neue Mensa
Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert diente seinerzeit als Krankenhaus. Als Schule ist es für 140 Schülerinnen und Schüler konzipiert,
tatsächlich besuchen 220 Kinder und Jugendliche die Einrichtung. Der geplante Umbau sieht vergrößerte Klassenzimmer und zusätzliche,
spezielle Räume sowie eine Pflegetoilette auf jeder Etage vor. Betroffen sind die erste und zweite Etage des Altbaus. Zusätzlich ist
eine neue Mensa vorgesehen.
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